Sony Bravia

Für den neuen HDTV von Sony heißt Bravia und wird mit dem wahrscheinlich schönsten Werbespot seit langem beworben, auf der offiziellen Bravia Spot-Seite gibt es alles rund um die Spot. Making ofs, Wallpapers, etc. Gute Form des Marketings, wie ich finde und bitte guck dir das Making of an: Scheiß auf Special Effects, wenn du millionen von Flummis durch SF schießen kannst.
fherrmann - 10. Feb, 14:08

Eine Frage der Mentalität

Ja, den Spot hab ich hier vor einer Weile auch im Fernsehen gesehen. Großartig. Ich find sehr interessant, dass es zu dem Spot eine eigene Website gibt, und dass man dort unter anderem Videos für die Sony PSP runterladen kann oder auch Fotos für Sony Ericsson Handys. That's integriertes, holistisches Marketing for you.

Das Making of hat mich wieder mal zu einem der Themen gebracht, die mir aus offensichtlichen Gründen am Herzen liegen: Berlin versus London.

Der Spot wurde von der Londoner Agentur Fallon ausgedacht und produziert. Mit Hilfe der Produktionsgesellschaft MJZ, die auch Spike Jonze repräsentieren, und Büros in NY, LA und London haben. Der Spot wurde auch weltweit im Englischen Fernsehen gelauncht. Zum Vergleich: Eine der angeblich besten und kreativsten Werbeagenturen in Deutschland ist Springer & Jacoby. Go figure.

Wie ich ja immer predige: Der Kontext ist in London einfach ein anderer. Ich behaupte einfach mal, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Job zu S & J gegangen wäre, denkbar gering ist. (Ganz zu schweigen davon, dass sie vermutlich nie darauf gekommen wäre 250.000 Flummis durch SF zu schießen.) Dies ist ja nun ein Beispiel aus der Werbung, die mir nicht unbedingt am Herzen liegt bzw. in deren Richtung ich keine Karriereambitionen hege. Aber ich denke die Kern-Issues lassen sich dennoch extrapolieren:

Ist Deutschland einfach nicht kreativ (genug)?
Hat Großbritannien einfach amerikanischen Kapitalismus begeisterter angenommen?

Ich kann nicht ganz sagen, was genau los ist. Die Sachen von S & J sind ja nicht schlecht – und Deutsche können dafür andere Sachen besser, zum Beispiel Engineering.

lude - 10. Feb, 22:32

Recht haste...

... aber ich finde den Vergleich London vs. Berlin in dem Fall etwas unpassend, das S&J meiner Meinung nach ja nun immer noch in Hamburg sitzen, was den Vergeich allerdings gleich noch krasser macht. Um bei Berlin zu bleiben: fucking Kleinstadt. Hat meiner Meinung nach auch noch nie ein kosmopolitischer Mensch widersprochen: Trotzdem, London ist altes Eisen und Berlin ist hot, hot, hot! Bei dem Vergleich sprechen wir uns einfach in 20 Jahren nochmal, wenn Berlin wenigstens halbsoviele Einwohner hat wie London, der Deutsche an sich ist, denke ich mal ähnlich kreativ wie der Engländer an sich, deshalb sind die Agenturen ja auch nicht in Cornwell, sondern in London. It's the city, nicht das Land.
(Entschuldige, dieser Kommentar ist aus der Hüfte geschossen, aber, glaub ich, so stimmt's.)

fherrmann - 18. Feb, 00:53

Cultural aptitude

Nachdem ich mir weiter darüber Gedanken gemacht habe, kann ich glaube ich das Rätsel mit Hilfe der Beweisführung aus meiner Dissertation lösen.

Wie ich ja schon immer predige: Sind alle aus genau einem einzigen Grund in London – weil alle anderen hier sind. Multi-kultureller Austausch und metropolitane Vielfältigkeit sorgen dafür, daß Städte wie London Inkubatoren für Kreativität sind. Ich war schon immer überzeugt, daß ein großer Teil meiner Ausbildung hier sich durch die Tatsache auszeichnet, daß sie in diesem Kontext einer Metropole stattfindet. Um meinen eigenen Ausdruck zu verwenden: Metropolen fördern cultural aptitude.

Insofern hast Du völlig recht. Die Werbeagenturen sind ja in London, nicht in Cornwall. Und Du hast auch recht, daß London altes Eisen ist und Berlin hot, hot, hot.

Aber: Im Einklang mit dem Titel meines ursprünglichen Kommentars denke ich, dass es auch eine Frage der Mentalität ist. Damit möchte ich nicht dem Deutschen an und für sich die Kreativität absprechen, aber ich meine dennoch behaupten zu können, daß Deutsche schwerfälliger sind als Briten. Es ist einfach eine Mentalitätsfrage. Ohne auf volkswirtschaftliches dünnes Eis gerate zu wollen: vergleiche Einstellung zur Arbeitslosigkeit.

lude - 22. Feb, 13:23

Einstellung zur Arbeitslosigkeit.

Tja. Is jetzt halt die Frage: Ist das kulturell oder systemisch bedingt, ich glaube eher letzteres, denn beide haben die protestantische Arbeitsethik, wenn man mal vom Bayernklüngel absieht.
Neuere Geschichte, also nach WWII: England war schon immer ein Einwanderungsland und hat sich auch als solches begriffen, Deutschland war schon immer ein Einwanderungsland, hat sich aber immer noch nicht damit abgefunden. Der englische Staat war schon immer von einer upper class geführt, also kam nie gleiches für gleiche in frage, der deutsche sozialstaat hat damit (an der oberfläche) schluss gemacht. In der Theorie, niemand sollte arbeiten, der nicht eine passende Arbeit findet, in der Praxis scheiße, weil sich der nach 1000 Semestern zum Finlandistik-Diplom gepeitschte es unter seiner würde empfindet jemanden zu bedienen, der vielleicht kein Diplom hat, siehe auch deine Mutter/meinen Vater: die machen jetzt halt auch was geht und fragen nicht lange rum, v.a.v die andere Elternhälfte besteht auf dem, was sie wollen bzw. sich zutrauen und landen damit ein wenig im Abseits... tja. Das muss wohl noch ausführlicher diskutiert werden...

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